Anekdoten

Auf der Suche nach den Gräbern...

Keine fünfzig Jahre nachdem die letzte Angehörige des Klostergründers Rudolph Pfalzgraf von Tübingen in Bebenhausen beigesetzt worden war, schien man im pfalzgräflichen Hause nicht mehr über die Lage der Gräber und der darin Bestatteten orientiert zu sein und wandte sich an das Kloster. Von Abt und Konvent erhielt man 1360 folgenden Brief:

Grabplatte Mechthild

"Gnediger Herr, nachdem Euwer Gnad begert, schriftliche Berichtung: wie viel euwer Gnaden Vorfahren Pfaltzgrafen von Tübingen bey uns begraben ligen, unnd deren Nahmen: Lassen wir euwer Gnad wissen: daß wir dieser nachgeschriebnen Herren und Frauwen von Tübingen jährlich Gedechtnuß haben: und die offensichtlich verkünden in unserm capitel, und die begehen nach gewohnheit unsers Ordens: Erstlich des Stiffters von unserem Closter Herrn Rudolffs, Pfaltzgrafen von Tübingen, den 9. April. Darnach seiner ehelichen Hauß-Fraw Mechtild, Pfaltzgräfin von Tübingen, stiffterin unsers Gottshauß, den 13. Jenner. (...)"

Kreuzgang Ostflügel

Delicta alumnorum

Die "Vergehen der Schüler" aus der Zeit, als in Bebenhausen eine der vier evangelischen Klosterschulen untergebracht war (1556-1806), die auf den Beruf des Geistlichen vorbereitete, füllen lange Listen von Äbten, Pröpsten und Professoren. Ein kleiner Auszug führt ein buntes Bild der Schulbuben (und späteren Pfarrer) vor Augen.

Man findet Einträge über: Aberglaube, Allotria im Unterricht, verbotenes Baden, Deutschreden, Diebstahl von Obst und Gänsen, Felsenklettern, Fluchen, unleserliche Handschrift, Kaffeekochen, Kartenspiel, Komödienspiel, Kirchenschändung, Luxus in der Kleidung, Mädchengeschichten, Mummenschanz, Pudern, Schneeballwerfen, Schulstreik, Tabakrauchen, Teufelsbeschwörung, Trunkenheit, Unfleiß, Vakanzverlängerung, Zechgelage...

Friedrich Matthisson "Das Dianenfest bei Bebenhausen" 1812

Unter König Friedrich I. fand im Jahr 1812 ein prunkvolles Jagdfest, das Dianenfest, statt. Der württembergische Hofdichter Friedrich Matthisson war als Chronist zugegen und beschreibt in hymnischen Worten die aufwendige Architektur und den Ablauf der Feierlichkeiten. Zahlreiche Gesänge sind in die Darstellung eingestreut:

Dianenfest

"Hoch tön´, o stolzer Hörnerklang!
Schon blich der Morgenstern.
Erwecke, froher Jagdgesang,
den König, unsern Herrn!
Bis in die Wolken schwinge sich
Ein jubelnd: Vivat Friderich! (...)"

Uhland

Ludwig Uhland (1787-1862) "Der letzte Pfalzgraf"

Der württembergische Dichter, Rechtsanwalt, Professor und Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung und des Oberamts Tübingen ist der bedeutendste Vertreter der sogenannten schwäbischen Romantik. Auch er setzte Bebenhausen ein literarisches Denkmal, das sich auf folgenden Umstand bezieht: Beim Verkauf von Tübingen an Graf Ulrich von Württemberg 1342 hatten sich die Pfalzgrafen von Tübingen zunächst die Hundelege (für die Jagdhunde) und das Jagdrecht im Schönbuch vorbehalten. Für das Kloster waren diese Verpflichtungen sehr kostspielig.

Ich Pfalzgraf Götz von Tübingen
verkaufe Burg und Stadt
Mit Leuten, Gülten, Feld und Wald;
Der Schulden bin ich satt

Zwei Rechte nur verkauf´ich nicht,
Zwei Rechte, gut und alt:
Im Kloster eins, mit schmuckem Turm,
Und eins im grünen Wald.

Am Kloster schenkten wir uns arm
Und bauten uns zu Grund,
dafür der Abt mir füttern muß
Den Habicht und den Hund.

  Im Schönbuch, um das Kloster her,
da hab ich das Gejaid;
Behalt´ich das, so ist mir nicht
Um all mein andres leid.

Und hört ihr Mönchlein eines Tags
Nicht mehr mein Jägerhorn,
dann zieht das Glöcklein, sucht mich auf!
Ich lieg´am schatt´gen Born.

Begrabt mich unter breiter Eich´
Im grünen Vogelsang
Und lest mir eine Jägermess´
Die dauert nicht zu lang.

Weitere Informationen zu Bebenhausen
 
 
Technische Beratung, Gestaltung, Konzept und Umsetzung: Ralf Gatzki und Friederike Rook