Sie ist ein Zeugnis königlicher Jagd- und Wohnkultur des frühen 20. Jahrhunderts, die Küchenanlage im Bebenhäuser Schloss. Sie wurde 1913 bis 1916 eingerichtet und ist beinahe unverändert erhalten. Damit gilt sie als Rarität in der baden-württembergischen Schlösserlandschaft, wenn nicht sogar in der deutschen.
Eine neue Dauerausstellung in den Räumen der Küchenanlage macht nun ihre Geschichte und Themen wie höfische Esskultur oder das Leben des Hofpersonals anschaulich und lebendig erfahrbar.
Herzstück der Küchenanlage: die Kochküche mit Herd und Wärmeschränken
Die Küchenanlage umfasst eine Fläche von rund 240 Quadratmetern. Die einzelnen Räume sind beiderseits eines Mittelflurs angeordnet. Denn für einen reibungslosen Arbeitsablauf war eine räumliche Trennung der einzelnen Tätigkeiten erforderlich. Auf der östlichen, dem Tal zugewandten und damit gut belichteten Seite befindet sich der zentrale Raum der Küchenanlage, die Kochküche. Diese ist mit einer großen Herdanlage und zahlreichen Wärmeschränken ausgestattet.
An die Kochküche schließt in die eine Richtung eine Spülküche, eine Silberputz- und eine Wäschekammer an. Auf der andern Seite liegt das „Küchenbüro“, das Zimmer des Küchenmeisters. Neben dem Küchenbüro führt eine Wendeltreppe in das obere Stockwerk.
Gegenüber befindet sich die untere Anrichte, von der ein Speiseaufzug in den oberen Anrichteraum führt, der direkt neben dem als Speiseraum genutztem Grünen Saal lag.
Auf der westlichen Seite des Mittelgangs, dem Hang zugewandt, sind die Abstell-, Speise- und Kühlkammern angeordnet. Zusätzlich zu diesen Küchenräumen kamen noch Kellerräume im zweiten Untergeschoss, die der Lagerung von Brennmaterialien, Wein und Lebensmitteln dienten.
Die technische Ausstattung der Küchenanlage war äußerst modern. Auch die helle Farbgebung, die abwaschbaren Bodenfließen und Wandkacheln sowie die robusten Möbel mit Hartholz- oder Marmorplatten entsprachen den damaligen Vorstellungen von Hygiene und Funktionalität.
Die Entstehung der Küchenanlage war aufs Engste mit der verstärkten Nutzung des ehemaligen Klosters als Ausgangspunkt von Jagdgesellschaften unter König Wilhelm II. verknüpft. Seit seinem Regierungsantritt 1892 veranstaltete er im Spätherbst zu Brunstzeit der Hirsche zweiwöchige Jagden in Bebenhausen. Die zu diesen Jagden geladenen Gäste wurden überaus üppig bewirtet. Die abendlichen Menüs setzten sich aus Vorspeise, Hauptgang und Dessert zusammen, die jeweils mehrer Gerichte umfassten. Für die Zubereitung der Gerichte war das Personal der Stuttgarter Hofküche verantwortlich, das extra für diese Jagdaufenthalte nach Bebenhausen gereist kam.
König Wilhelm II. und seine Gemahlin Charlotte zu Schaumburg-Lippe bei einem Aufenthalt in Bebenhausen, um 1915.