Zisterzienser-Kirche mit Presbyterium, Querhaus und Vierungsturm von Kloster und Schloss Bebenhausen

Schlichtheit und Eleganz der Zisterzienser

Die Klosterkirche

In der Zeit der Hochgotik bot der wachsende Reichtum des Klosters die Grundlage für Umbauten und Erweiterungen der Klosterkirche. In der Reformationszeit ließ Herzog Ulrich I. von Württemberg das Kirchenschiff abreißen, um mit den Steinen sein Schloss Hohentübingen auszubauen.

Kircheninneres von Ost nach West in Kloster und Schloss Bebenhausen

Schmucklos schlicht und trotzdem schön.

Klare Linien

Der Anfangsbau der Klosterkirche, von den Zisterziensern am Ende des 12. Jahrhunderts in Angriff genommen, war schnell vollendet, sodass der Bischof von Konstanz schon 1228 die Kirche weihen konnte. Typisch für die Architektur des Zisterzienserordens war eine flach gedeckte, dreischiffige Pfeilerbasilika mit wenig betonten Querhausarmen und einem rechteckigen Chorabschluss. Wie alle Zisterzienserbauten war die Kirche der Ordenspatronin Maria gewidmet – und schmucklos schlicht. 

Abt Peter von Gomaringen mit dem von ihm gestifteten Vierungsturm, den er der Ordenspatronin Maria darbringt, Detail im Kloster Bebenhausen; Foto: Stephan Kohls

Im 14. Jahrhundert gab es einige Umbauten.

Baufreudige Äbte

In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts gab Abt Konrad von Lustnau erste Umbauten im Stil der oberrheinischen Hochgotik an der Klosterkirche in Auftrag. Berühmt ist das von ihm geschaffene Sommerrefektorium. Außerdem ließ er das monumentale Chorfenster einbauen sowie eine heute nicht mehr erhaltene Grabkapelle des Abts am Nordquerhaus errichten. Gut 80 Jahre später stiftete Abt Peter von Gomaringen den eleganten Vierungsturm, den ein Zisterzienserbaumeister aus Kloster Salem, ein Laienmönch, schuf.

Kirche von innen mit Besuchern in Kloster Bebenhausen

Die Verzierungen sind heute noch zu bewundern.

Neuer Schmuck

Bis zum ersten Viertel des 16. Jahrhunderts wurde die Kirche des wohlhabenden Klosters verschönert: Chor, Vierung und Querhaus erhielten aufwendige Stern- und Netzgewölbe. Die Reformation bedeutete einen Einschnitt: Herzog Ulrich I. von Württemberg schien die Kirche viel zu groß, sodass er 1537 das gesamte Schiff bis zum Querhaus einreißen ließ. Die Quader verwendete er für andere Bauprojekte. 30 Jahre später erhielt die Kirche ihre heutige Größe. Erst im 19. Jahrhundert kamen die Orgel und die Emporen dazu.

Christus-Vision des Bernhard von Clairvaux, Tafelbild um 1485 im Kloster Bebenhausen

Vom Mittelalter ist nicht viel übrig.

Innenausstattung

Von der Ausstattung des Mittelalters haben sich nur Reste erhalten. Die Verglasung des Maßwerkfensters im Chor hatte Herzog Carl Eugen 1781 zum großen Teil nach Schloss Hohenheim bringen lassen; so ist heute nur noch wenig davon in Bebenhausen zu sehen. Eindrucksvoll ist die Renaissance-Kanzel des Bildhauers Konrad Wagner in ihrer kräftigen Farbigkeit. Epitaphien – Grabmale – und Gemälde schmücken die Seitenschiffe und das Nordquerhaus, Kunstwerke aus Spätrenaissance und Barockzeit.

Besucher im Kloster Bebenhausen
Kirche Innenraum mit Kanzel, von Konrad Wagner, spätes 16. Jahrhundert, Originalfassung mit alttestamentarischen Szenen im Kloster Bebenhausen

Besonders eindrucksvoll: die farbige Kanzel in der Kirche.

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