Enfilade im Schloss Bebenhausen

Gelebte Bescheidenheit

Das Appartement des Königs Wilhelm II.

König Wilhelm II. war ein genügsamer Mensch. Im Schloss Bebenhausen bewohnte er neben den Räumen, die er mit Königin Charlotte gemeinsam nutzte, nur noch ein privates Schlaf- und ein Arbeitszimmer. Beide sind nahezu original erhalten.

Bronzeplastik König Wilhelm II. mit Hund vor dem Wilhelmspalais in Stuttgart

Wilhelm II. vor dem Wilhelmspalais in Stuttgart.

Vom Onkel geerbt

Die vier Zimmer längs des Hirschgangs sind untereinander nochmals durch Türen verbunden, sodass wie bei einem barocken Schlossappartement eine Enfilade, ein Durchgang durch alle Räume, entsteht. Umgebaut und eingerichtet wurden sie bereits in den Jahren 1868 bis 1870 unter König Karl I. Er wohnte hier so lange, bis nach größeren Umbauten die Wohnung über der ehemaligen Abtsküche entstanden war. Nach seinem Tod zog Königin Charlotte in diese neuen Räume ein.

Kabinettschrank im Salon des Königs von Schloss Bebenhausen

Früh morgens erledigte der König seine Schreibarbeiten.

Arbeiten und Schlafen

Der König bezog von den vier Räumen der alten Karlswohnung nur zwei Räume. Dabei diente dem Monarchen der hintere Raum der Enfilade als Arbeitszimmer. Hier erledigte er meist schon morgens die notwendigen Staatsgeschäfte und Korrespondenzen – oder segnete dem Küchenchef die Menüfolge für das Abendessen ab. Das Zimmer davor war sein Schlafzimmer. Beide Räume beeindrucken vor allem durch ihre detailreiche Ausstattung mit Kostbarkeiten des frühen 16. bis späten 19. Jahrhunderts.

Salon von König Wilhelm II. im Schloss Bebenhausen

Neue Einrichtung im alten Stil.

Kreativer Historismus

Die Neueinrichtung des Schlosses war bestimmt von den Formen der Gotik und der Renaissance. Diese Orientierung an zurückliegenden Epochen ist typisch für den damals herrschenden Stil des Historismus. In der Auseinandersetzung mit den historischen Vorlagen entstand oft künstlerisch wie handwerklich höchste Qualität. Eindrucksvoll ist auch, wie perfekt sich originale Stücke mit den in „Eiche antique“ gearbeiteten Neuanfertigungen der Stuttgarter Fabrik Gerson und Weber in ein harmonisches Ganzes fügen.

Badezimmer der Königin in Schloss Bebenhausen; Foto: Stephan Kohls

1918 endeten die Umbaupläne.

Ausbaupläne wurden nicht realisiert

König Wilhelm II., der das Schloss ab 1898 moderat modernisieren und weiter ausbauen ließ, hatte nach der Umgestaltung der Wohnräume für Königin Charlotte geplant, auch sein eigenes Appartement zu vergrößern. Jedoch wurde dieses Projekt durch die Abdankung des Monarchen im Jahr 1918 nicht mehr umgesetzt. Drei Jahre später starb der König nach kurzer Krankheit in Bebenhausen.

Auch interessant

Persönlichkeit: König Wilhelm II.

Versenden
Drucken