Einmaliges Ensemble in idyllischer Lage

Kloster und Schloss Bebenhausen

Freitag, 7. April 2017

Kloster und Schloss Bebenhausen | Sonstige Themen

UNTERSUCHUNG IM SOMMERREFEKTORIUM ABGESCHLOSSEN

Im Januar 2016 hatte man festgestellt, dass im Sommerrefektorium von Kloster Bebenhausen Risse im Gewölbe zu sehen waren. Der gotische Raum, eine der herausragenden Architekturschöpfungen in Baden-Württemberg, wurde geschlossen. Es galt, eine mögliche Gefährdung der Besucherinnen und Besucher im Kloster auszuschließen. Das Amt Tübingen von Vermögen und Bau Baden-Württemberg setzte damals gemeinsam mit den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg komplexe Untersuchungen durch Spezialisten in Gang, um die Ursachen zu ermitteln und zu beheben. Die Untersuchungen sind jetzt weitgehend abgeschlossen – und voraussichtlich können die beliebten Konzerte wieder im Sommerrefektorium stattfinden.

Untersuchungen fördern neue Erkenntnisse zum Rang des Sommerrefektoriums zutage

Im Januar 2016 hatte man festgestellt, dass im Sommerrefektorium von Kloster Bebenhausen Risse im Gewölbe zu sehen waren. Der gotische Raum, eine der herausragenden Architekturschöpfungen in Baden-Württemberg, wurde geschlossen. Es galt, eine mögliche Gefährdung der Besucherinnen und Besucher im Kloster auszuschließen. Das Amt Tübingen von Vermögen und Bau Baden-Württemberg setzte damals gemeinsam mit den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg komplexe Untersuchungen durch Spezialisten in Gang, um die Ursachen zu ermitteln und zu beheben. Die Untersuchungen sind jetzt weitgehend abgeschlossen – und voraussichtlich können die beliebten Konzerte wieder im Sommerrefektorium stattfinden.

RISSE IM GOTISCHEN GEWÖLBE
Anfang 2016 war die Besorgnis groß: Michael Hörrmann, der Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, erklärte damals: „Solange wir eine Gefahr für die Besucher und für alle, die den Raum betreten, nicht ausschließen können, muss das Sommerrefektorium gesperrt werden – so schwer uns das auch fällt.“ Erste Untersuchungen ergaben ein komplexes Schadensbild: Die gesamte Osthälfte des Sommerrefektoriums war von den Rissen im Gewölbe betroffen. Vor allem um die Schlusssteine herum und an den Anschlüssen vom Gewölbe zur Ostwand stellten die Fachleute bei ihrer minutiösen Prüfung Risse fest – zum Teil mehrere Zentimeter breit.

KOMPLEXE UNTERSUCHUNGEN DURCH FACHLEUTE
Eine breite Phalanx von Fachleuten wurde hinzugezogen: Statiker, eine Architektin, Materialprüfer, Steinmetze, Experten des Landesdenkmalamts und eine Restauratorin für Wandmalerei. Zuerst ließ man das Gewölbe reinigen, um anschließend Messgeräte im Dachstuhl zu installieren. Ihre Aufgabe: Sie erfassen – teilweise mit Lasertechnik - noch die kleinsten Bewegungen der Wände und des Gewölbes. Zudem wurde die Gewölbekonstruktion aus dem Mittelalter mit bemaltem Putz und Steinteilen überprüft und analysiert. Ein Statiker fertigte eine genaue Kartierung mit allen bestehenden Rissen in der Decke an. Dadurch erst wurde es möglich, Risse auf der Gewölbeoberseite mit den Rissen, die man im Raum festgestellt hatte, abzugleichen. Für die Experten wurde es so möglich, die Schadensprozesse besser zu verstehen.

SPERRUNG WAR RICHTIG
Zur allgemeinen Erleichterung stellte sich heraus, dass die Situation nicht so dramatisch ist, wie man anfangs befürchten musste, ja: die Stabilität der Gewölbe erwies sich sogar als so hoch, dass selbst bei einem kleineren Erdbeben die Steine nicht herausfallen würden. Und noch etwas zeigte sich: Die Schäden sind nicht kurzfristig entstanden, sondern haben sich über einen langen Zeitraum entwickelt. Bernd Selbmann, der Leiter des Amtes Tübingen von Vermögen und Bau, konstatiert bei aller Erleichterung: „Die Entscheidung, den Raum zu sperren, hat sich dennoch als richtig erwiesen. Denn es haben sich ja tatsächlich Putzteile gelöst und sind heruntergefallen – bei der Höhe des Raumes definitiv ein Risiko für die Besucher.“

HISTORISCHE VERSCHIEBUNGEN
Was ergaben die Messungen? Man weiß jetzt, dass die Ostwand des ehemaligen Speisesaals der Herrenmönche ein wenig nach außen wegkippt. Pro Jahrhundert wandert die Wand ungefähr 1 cm. Die Ostwand des 1335 errichteten Gebäudes hat damit eine Schräglage von 7 cm – und das ist auch eine der Ursachen für die Risse im Gewölbe. Bernd Selbmann erläutert den Befund: „Derartige Schiefstellungen sind bei historischen Gebäuden nicht ungewöhnlich. Entscheidend ist, dass die Bewegung kontrolliert erfolgt und die umgebenden Konstruktionen entsprechend gesichert werden.“ Die Ursache für die Absenkung der Wand ist vermutlich das Fundament. Bernd Selbmann: „Wir wissen, dass man, um das Kloster vor 800 Jahren bauen zu können, ein Bergplateau eingeebnet hat. Und wir wissen, dass es auch an anderen Stellen des Klosters Probleme mit Senkungen gab und gibt. Bereits im 16. Jahrhundert musste deshalb das Winterrefektorium an der Westseite abgebaut und neu errichtet werden.“

WAS GESCHAH NACH DER UNTERSUCHUNG?
Nachdem das Expertengutachten vorlag, wurde entschieden, die leicht verrutschten Steinteile im Deckengewölbe abzusichern. Restauratoren bringen in offene Fugen und Risse einen speziellen Sicherungsmörtel ein. Absturzgefährdete Putzbereiche, zum Beispiel am Rand von Rissen, werden mit Mörtelinjektionen wieder am Gewölbeuntergrund befestigt. Ganz besonders wichtig und dringend notwendig ist die Konservierung der wertvollen bemalten und vergoldeten Schlusssteine. Die Sicherungsmaßnahmen für die Stabilisierung des Gebäudes laufen noch diesen Frühling. Als weitere Maßnahme werden die Ost- und Westwand des Gebäudes miteinander über Sicherungsanker verbunden, die das weitere Auseinanderdriften der Wände verhindern.

NEUE ERKENNTNISSE ÜBER DIE DECKENMALEREI
Geradezu spektakulär sind die Erkenntnisse, die sich aus den Untersuchungen der Restauratorin ergaben: Der Putz im Gewölbe ist noch überwiegend original – und damit der des Jahres 1335. Zwar wurden 1874 Wände und Gewölbe flächig überfasst – dabei hielt man sich aber an die mittelalterliche Ausmalung und wiederholte die Motive nur. Vollständig im Zustand von 1335 erhalten sind die bemalten Unterseiten der 16 Schlusssteine mit ihren Vergoldungen. Die Malereien an diesen markanten Punkten stammen vom gleichen Künstler, der auch das große Tafelbild über dem Eingang zum Sommerrefektorium geschaffen hat. Das Original dieses bedeutenden Werks hängt heute in der Stuttgarter Staatsgalerie, in Bebenhausen wurde es 1905 durch eine Kopie ersetzt. Für Geschäftsführer Michael Hörrmann erweist sich damit einmal mehr die herausragende Bedeutung von Kloster Bebenhausen: „Wir werden diese neuen Erkenntnisse aufgreifen und sie der Öffentlichkeit zugänglich machen. In Kloster Bebenhausen waren durchweg Künstler ersten Ranges am Werk – das gilt es immer wieder ins Bewusstsein zu rufen.“ In der Planung ist ein Kolloquium, bei dem die neuesten Erkenntnisse zum Sommerrefektorium vorgestellt werden und die Sicherungs- und Restaurierungsmaßnahmen erläutert werden. „Aber natürlich fließen die frischen Erkenntnisse auch unmittelbar in unsere Führungen ein“, erläutert Michael Hörrmann. Und Bernd Selbmann vom Tübinger Amt des Landesbetriebs Vermögen und Bau sichert zu: „Im Juni sollen alle Arbeiten abgeschlossen sein. Die Sommerkonzerte können dieses Jahr also wieder stattfinden.“