Das Königspaar in bürgerlicher Kleidung vor dem Schloss Bebenhausen

Klug, sportlich, wohltätig

Charlotte von Württemberg

Königin Charlotte (1864–1946) war die zweite Frau von Wilhelm II. von Württemberg. Ihr wohltätiges Wirken verschaffte ihr großes Ansehen. Nach 1918 zog sie sich gemeinsam mit ihrem Mann nach Bebenhausen zurück. Hier lebte die letzte Königin von Württemberg bis zu ihrem Tod 1946.

Porträt Königin Charlotte von Württemberg (um 1910)

Weit mehr als eine hübsche junge Frau.

Wer war die Prinzessin zu Schaumburg-Lippe?

Die böhmische Prinzessin war weit mehr als eine hübsche junge Frau aus dem Hochadel. Charlotte zu Schaumburg-Lippe war vielseitig gebildet. Sie interessierte sich für Geisteswissenschaften, Kunst, Schauspiel und Oper, spielte ausgezeichnet Klavier und hatte eine schöne Stimme. Obendrein liebte sie die Natur, das Wandern und Jagen, war sportlich und ritt gern. Die perfekte Partnerin für König Wilhelm II.!

Königin Charlotte von Württemberg im Schloss Bebenhausen, Fotografie um 1920

Die Königin scheute Auftritte.

Die Württemberger waren anfangs skeptisch. Warum?

Charlotte zu Schaumburg-Lippe verhielt sich in ihren ersten Jahren in der Öffentlichkeit eher zurückhaltend und ernst. Sie scheute große Auftritte. So kam es, dass viele Württemberger sie, im Gegensatz zur ersten Frau Wilhelms II., Marie von Waldeck-Pyrmont, als unnahbar empfanden. Die romantische Liebesheirat Wilhelms mit der hübschen Prinzessin Marie hatte sich durch den tragischen frühen Tod der jungen Frau verklärt. Obendrein entstand aus der zweiten Ehe mit Königin Charlotte kein Thronerbe. 

Bei einem Besuch von König Wilhelm II. werden der Königin Charlotte Blumen überreicht

Die Königin findet ihre Rolle als Landesmutter.

Wie änderte sich die Meinung über die Königin?

Im Laufe der Zeit fand die Königin in ihre Rolle als fürsorgende Landesmutter hinein. Dabei verband sie ihr starkes Engagement für soziale Institutionen mit persönlicher menschlicher Anteilnahme und Hilfsbereitschaft. Insgesamt übernahm die Königin bei 32 wohltätigen Einrichtungen die Schirmherrschaft. Sie arbeitete selbst während des Ersten Weltkriegs als Krankenschwester auf einer Typhusstation in einem Lazarett. Obendrein übernahm das Königspaar immer beim siebten Kind einer Familie die Patenschaft.

König Wilhelm II. von Württemberg mit Königin Charlotte vor dem Schloss Bebenhausen, Fotografie um 1915

In Bebenhausen spielte Etikette keine Rolle.

Wie lebte die Königin unter den Bebenhausenern?

Im ländlichen Bebenhausen war für die Königin ebenso wie für den König das Leben einfacher, Hofzeremoniell und Etikette spielten hier kaum eine Rolle. Königin Charlotte kannte bald alle Bewohner und gehörte mit der Zeit einfach dazu. Gemeinsam mit ihren Nachbarn überstand sie die Bombennächte des Zweiten Weltkriegs im Luftschutzkeller. Dabei kümmerte sie sich wohl besonders um die Kinder, brachte oft Gebäck oder Leckereien aus der Schlossküche mit und versuchte, alle zu beruhigen.

Schlafzimmer der Königin im Schloss Bebenhausen

In Bebenhausen kannte sie alle Bewohner.

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