Einmaliges Ensemble in idyllischer Lage

Kloster und Schloss Bebenhausen

Johann Valentin Andreae, Kupferstich von Melchior Kusell um 1650; Foto: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, Robert Bothner
Pietist mit großem Einfluss

Valentin Andreae

Der Theologe Johann Valentin Andreae (1586–1654) übte großen Einfluss auf die württembergischen Protestanten aus. Nach dem Dreißigjährigen Krieg baute er das Schulwesen wieder auf und erließ die Anordnung zur allgemeinen Schulpflicht in Württemberg. Er selbst wurde Abt der Klosterschule Bebenhausen.

Poträt Johann Valentin Andreae; Foto: Wikipedia, gemeinfrei

Andreae war ein aufgeklärter Menschenfreund.

Wie machte Andreae auf sich aufmerksam?

Geboren in Herrenberg, kam Johann Valentin Andreae nach Studium und Wanderjahren 1620 als Spezialsuperintendent nach Calw. Der hoch gebildete Calvinist schrieb durch seine sozialen Werke Stadtgeschichte. Calw, damals halb so groß wie Stuttgart, war durch seine florierende Wollproduktion eine der wirtschaftlich bedeutendsten Städte. Andreae setzte sich für die Bedürftigen ein, die im Schatten des Aufschwungs lebten: Er überzeugte viele der reichen Calwer Handelsherren, Arme, Kranke und Kinder in der Stadt zu unterstützen.

Ausschnitt des Grabes von Christian Rosencreutz, dargestellt als „Philosophenberg“; Foto: Wikipedia, gemeinfrei

„Christianopolis“ stand ganz in der Tradition der Utopisten.

Andreae als Geheimbundgründer?

Als Andreaes bedeutendstes Werk gilt seine Utopie „Christianopolis“, in der er eine protestantische Idealgesellschaft entwirft. Ihre Verfassung gründet auf Gottesfurcht, in der Kirche werden belehrende Schauspiele aufgeführt, Luxus und aufwändige Kleider sind unmoralisch. Andreae gilt auch als Schöpfer des Mythos um den Rosenkreuzer-Orden mit seinem fiktiven Gründer Christian Rosencreutz. In der Forschung wird diskutiert, dass er zwar zum Mythos um den Rosenkreuzer-Orden beitrug, doch die Utopie nicht als Programm zu verstehen sei. Später distanzierte sich Andreae von seinem Werk.

Eine Mädchenschule im 18. Jahrhundert, Öl auf Leinwand von Jan Josef Horemans dem Jüngeren; Foto: Wikipedia, gemeinfrei

Mit der allgemeinen Schulpflicht entstanden auch Mädchenschulen.

Was bewirkte Andreae in der Schulbildung?

1638 wurde Andreae in die württembergische Kirchenleitung berufen und zum Hofprediger in Stuttgart ernannt. Nach den Wirren des Dreißigjährigen Krieges baute er die kirchliche Ordnung und das Schulwesen in Württemberg wieder auf. Mit der Großen Kirchenordnung von 1559 war eine Schulpflicht festgelegt worden, die allerdings nur den männlichen Teil der Bevölkerung betraf. Erst Andreae erließ 1645 die Anordnung zur allgemeinen Schulpflicht in Württemberg – als erstem Land in Europa.

Blick in den Kreuzgarten in Kloster Bebenhausen; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Janna Almeida

Neuanfang in der Klosterschule.

Bitteres Ende?

Zermürbt vom Widerstand des Klerus und des Adels gegen seine strenge Auslegung des Christentums und die sozialen Reformen, die er anstrebte, ersuchte Andreae 1646 um seinen Abschied von der Kirchenleitung, der ihm 1650 gewährt wurde. Im selben Jahr übernahm er als Generalsuperintendent und Abt im Kloster Bebenhausen die Leitung der Klosterschule Bebenhausen. Hier war er mit dem Aufbau einer Klosterschule für 34 Schüler betraut.

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